Über das Schächten oder die Symptome einer Entfremdung


Solange wir nicht aufhören Fleisch in solchen Mengen zu (fr)essen wie wir es derzeit tun, solange werden wir auch Tiere massenhaft töten. Allein in Österreich sind es im Jahr über 5 Millionen Schweine, 83,8 Millionen Hühner und 622.000 Rinder. 

 

Dass ein Töten derart vieler Tiere in so kurzer Zeit, quasi im Sekundentakt, nicht ohne erhebliche Qualen für jedes einzelne von ihnen möglich ist, ist jedem bewusst, der nicht zu feig dazu ist, sich dieser Realität zu stellen. Und jetzt zur vermeintlich zentralen Frage: Sollen wir die Tiere vor dem Ausbluten oder nach dem Ausbluten betäuben? Ganz ehrlich: Wer maßt sich tatsächlich an, darüber Aussagen zu treffen, ob ein Tier, wie z.B. eine Henne, die gemästet aus einer erbärmlichen Massenhaltung nach einem angsterfüllten Transport in einem überfüllten Lastwagen in der Endstation Schlachthof landet, besser dran wäre, wenn sie an einem Schlachtbügel kopfüber hängend zuerst mit dem Kopf durch ein mit Strom versetztes Wasserbad gezogen, also betäubt, und ihr danach die Kehle durchgeschnitten wird oder vielleicht doch lieber umgekehrt – zuerst Kehle und dann Elektrobad? Schauen wir zu den Rindern. Wer kann wirklich sagen, ob für das angsterfüllte Rind in der Schlachtbox der Bolzenschuss oder der Kehlschnitt das richtige Mittel der Wahl für den Weg in den Tod ist. Wo wir doch wissen, dass der unvorstellbare Stress im Schlachthof die Rinder brüllen und zappeln lässt und der Bolzenapparat bei etwa sieben Prozent der Tiere sein Ziel, das Gehirn, gänzlich verfehlt. Für diese Tiere heißt es:  Kehlschnitt und Ausbluten bei vollem Bewusstsein und Schmerzempfinden - kopfüber. So ist es.

 

Die Diskussion die wir derzeit über das Schächten führen ist mit Verlaub zum Kotzen. Nicht nur, weil die Rechten diesmal durch geheucheltes Mitleid mit den Tieren ihren gelebten Rassismus weiter institutionalisieren. Sie ist zum Kotzen, weil sie an der grundlegendsten Ursache des Problems kilometerweit vorbeigeht: an der völligen Entfremdung der Menschen von den Lebewesen, für die sie verantwortlich sind.

Die einzigen, die eine Veränderung erzwingen können, sind wir selbst. Durch unseren Konsum, unseren Protest und zu allererst durch unser MITGEFÜHL mit den Lebewesen für die wir auf dieser Welt verdammt noch einmal verantwortlich sind.

 

Ich bin so unfassbar wütend.

 

 

P.S: Nur, falls es jemanden interessiert. Ich bin ganz klar gegen das Schächten von Tieren. Aus dem einfachen Grund, weil die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier den Todeskampf bewusst erlebt bei vorheriger Betäubung geringer ist. Und ich muss keine Millisekunde zögern um sagen zu können, dass Tierschutz der Religionsfreiheit übergeordnet werden muss. Das  nämlich ist ein Naturgesetz und keine ethische Frage.